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        Von Unterkunftssuche über elektrische Zahnbürsten und Autos bis zu Plattformen für Baumaschinenvermietung

[European Startup Chronicles] Münchens aufstrebende Startups: Top 5

Von Unterkunftssuche über elektrische Zahnbürsten und Autos bis zu Plattformen für Baumaschinenvermietung

Titelbildquelle= must-munich.com

München verfügt über reichlich Kapital und einen starken Talentpool und ist damit eine gute Stadt für Gründungen. Dank der internationalen Atmosphäre ist die Stadt auch ein Testbed, in dem Startups Produkte entwickeln und ihre Chancen auf dem Weltmarkt unmittelbar prüfen können. Anhand einiger der erfolgreichsten Münchner Startups der vergangenen Jahre lässt sich ein Blick auf europäische Startup-Trends werfen.

Holidu, eine Such- und Vergleichsseite für Ferienunterkünfte

Holidu ist eine Plattform, mit der Nutzer Preise für Ferienunterkünfte vergleichen und Buchungen vornehmen können. Die Brüder Johannes und Michael Siebers gründeten das Unternehmen 2014; inzwischen ist Holidu in 21 Ländern aktiv. Der Unterschied zu bestehenden Unterkunftssuchmaschinen liegt in Holidus eigener Bilderkennungstechnologie. Damit vergleicht die Plattform über 15 Millionen Unterkünfte auf mehr als 600 Unterkunftswebsites, darunter Airbnb und Booking.com, und zeigt die besten Ergebnisse.

Holidu, eine Preisvergleichsseite für Ferienunterkünfte.
Holidu, eine Preisvergleichsseite für Ferienunterkünfte. Foto=holidu.com

Wer nach Unterkünften sucht, stellt oft fest, dass dieselbe Unterkunft je nach Website unterschiedliche Preise hat. Holidu begann damit, genau dieses Problem zu lösen. Durch die von Holidu entwickelte Preis- und Vergleichsfunktion können Kunden im Durchschnitt 55 Prozent sparen. Da die Nutzer direkt zur günstigeren Buchungsseite weitergeleitet werden, überschneidet sich der Service nicht mit bestehenden Buchungsplattformen.

Auf Basis dieser Idee verzeichnet Holidu monatlich 10 Millionen Besucher und schloss eine Series-C-Finanzierung über 40 Millionen Euro ab. Trotz des pandemiebedingten Einbruchs in der Reisebranche wuchs Holidu weiter und erhielt 2020 zusätzliche 5 Millionen Euro. Außerdem entwickelte das Unternehmen Bookiply für Vermieter, damit diese ihre Unterkünfte leichter im Web bewerben können. Bookiply unterstützt Kalender-Synchronisierung, automatische mehrsprachige Beschreibungen und professionelle Fotobearbeitung und ermöglicht es, Inserate auf Airbnb, Booking.com und anderen Plattformen zentral zu verwalten. Zudem betreibt Bookiply ein erstes Kundenkommunikationsteam für private Betreiber, die keinen eigenen Kundenservice unterhalten können.

Cluno, ein Auto-Abo-Service

Cluno ist ein Startup für Auto-Abonnements. Das 2017 gegründete Unternehmen hat bisher 140 Millionen Euro eingeworben und wurde damit eines der deutschen Startups mit dem größten externen Kapital. Bekannt ist Cluno auch als Beteiligung von PayPal-Mitgründer Peter Thiel.

Deutsche Verbraucher schätzen Abo-Modelle, weil sie verschiedene Modelle vor dem Kauf testen und Zukunftsmobilität wie Elektroautos erleben können.
Deutsche Verbraucher schätzen Abo-Modelle, weil sie verschiedene Modelle vor dem Kauf testen und Zukunftsmobilität wie Elektroautos erleben können. Foto=cluno.com

Über Website und App können Kunden bei Cluno ein gewünschtes Automodell auswählen und es mindestens sechs und höchstens achtzehn Monate abonnieren. Die Gebühr umfasst alle Kosten außer Kraftstoff, darunter Steuern, Versicherung, Prüfungen und Zulassung. Nach Beginn des Abos wird das Auto an den gewünschten Ort geliefert, wodurch Verwaltung und Zusatzkosten reduziert werden. Das Modell eignet sich für Nutzer, die ein Auto länger als bei einer klassischen Miete, aber kürzer als beim Leasing nutzen wollen. Durch die Vereinfachung komplexer Abläufe wird Cluno als “Netflix der Auto-Abos” bezeichnet.

Deutsche Verbraucher reagieren positiv auf Auto-Abos, weil sie vor dem Kauf verschiedene Modelle testen und insbesondere Elektromobilität erleben können. Im Februar wurde Cluno vom britischen Autohändler Cazoo übernommen, wodurch Wachstum über Deutschland hinaus in ganz Europa möglich wurde.

Demodesk, ein auf Sales optimiertes Kundenmeeting-Tool

Das 2017 gegründete Demodesk ist ein webbasiertes Kundenmeeting-Tool für den Vertrieb. Kunden müssen kein Programm installieren, sondern können über webbasierte Bildschirmfreigabe teilnehmen. Vertriebsmitarbeiter erhalten Unterstützung durch einen KI-basierten Gesprächsassistenten, der auf verkaufsoptimierte Gespräche ausgelegt ist. Da das Tool nicht nur für Online-Meetings, sondern speziell für Kundentermine im Vertrieb funktioniert, unterscheidet es sich von herkömmlichen Videocall-Tools. Mit den Veränderungen durch COVID-19 verdoppelte sich die Kundenzahl fast, und Demodesk erhielt eine Series-A-Finanzierung über 6,7 Millionen Euro.

Vertriebsmitarbeiter werden durch einen KI-basierten Gesprächsassistenten bei verkaufsoptimierten Gesprächen unterstützt.
Vertriebsmitarbeiter werden durch einen KI-basierten Gesprächsassistenten bei verkaufsoptimierten Gesprächen unterstützt. Foto=demodesk.com

Im Vergleich zu bestehenden Meeting-Plattformen entfernte Demodesk unnötige Downloads, Verzögerungen, Kompatibilitätsprobleme und begrenzte Screen-Sharing-Funktionen und konzentrierte sich auf vertriebsoptimierte Funktionen. Dazu kommen Zusatzfunktionen wie Terminplanung, Dokumentenorganisation und CRM-Einträge. Das Unternehmen hat 150 Unternehmenskunden in Europa und den USA. Die Gründer stammen aus dem US-Accelerator Y Combinator.

Happy Brush, ein Startup für elektrische Zahnbürsten und Abos

Happy Brush wurde durch die deutsche Startup-Show “Die Höhle der Löwen” bekannt. Die Gründer Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel traten dort auf und sorgten für Aufmerksamkeit; während der Sendung erhielten sie eine Investitionszusage über 500.000 Euro. Diese Zusage wurde nach mehreren Verhandlungen nicht umgesetzt, doch der TV-Effekt brachte dem Unternehmen 2 Millionen Euro von verschiedenen Investoren.

Die Gründer von Happy Brush traten in “Die Höhle der Löwen” auf und verkauften mehr als 5 Millionen Produkte.
Die Gründer von Happy Brush traten in “Die Höhle der Löwen” auf und verkauften mehr als 5 Millionen Produkte. Foto=happybrush.de

Happy Brush begann mit einem Geschäftsmodell rund um Verkauf und Abo elektrischer Zahnbürsten. Die Schallzahnbürste mit dreifachen Borsten maximiert die Funktion, und 40 Prozent der Bürstenköpfe bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen. Auch Zahnpasta, Mundpflegeprodukte und Verpackungen des Unternehmens werden umweltfreundlich hergestellt. Die beiden Gründer, beide ehemalige P&G-Mitarbeiter, starteten mit dem Anspruch, Oral-B und Philips herauszufordern. Bisher wurden mehr als 5 Millionen Produkte verkauft; 2020 wuchs der Umsatz um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Da der wichtigste Wert von Happy Brush “Nachhaltigkeit” ist, sind auch die Kennzahlen dazu interessant. Das Unternehmen hat bisher mehr als 40 Tonnen Plastik eingespart, und seine Zahnpasta wurde als umweltfreundliches Produkt mit dem Preis “Tube of the Year” ausgezeichnet. Außerdem erhielt Happy Brush die B-Corp-Zertifizierung und spendete über die Initiative #BrushForWater mehr als 150 Millionen Liter Wasser an Regionen, die Wasser benötigen.

Klarx, eine Plattform für Baumaschinenvermietung

Klarx wurde 2015 als Online-Mietplattform für Baumaschinen gegründet. Das Unternehmen vermietet Baumaschinen wie Bagger, Druckluftgeräte und Kräne für Baustellen. Es betreibt B2B- und B2C-Angebote und verbindet Nutzer mit 4.500 Partnerstandorten in Deutschland und Österreich, sodass 350.000 Maschinen einfach gemietet werden können. Außerdem betreibt es eine Plattform für Kauf und Verkauf gebrauchter Baumaschinen und verbindet Nutzer, Vermieter und Käufer.

Klarx verbindet 4.500 Partnerstandorte in Deutschland und Österreich und macht 350.000 Baumaschinen leicht mietbar.
Klarx verbindet 4.500 Partnerstandorte in Deutschland und Österreich und macht 350.000 Baumaschinen leicht mietbar. Foto=klarx.de

Im September 2020 eröffnete Klarx ein Logistikzentrum in München. Über die bestehende Baumaschinen-Verwaltungsplattform KlarxManager können benötigte Geräte verfolgt und Mietzeiträume berechnet werden. Später kündigte das Unternehmen an, im Juni 2021 ein zweites Logistikzentrum in Frankfurt zu eröffnen. Insgesamt erhielt Klarx 12,5 Millionen Euro von Target Global, B&C Innovation Investments und weiteren Investoren.

Eunseo Yi
eunseo.yi@123factory.de

Dieser Artikel wurde aus der Reihe “European Startup Chronicles” von BizHankook redigiert und adaptiert.