Das Startup-Ökosystem in München, wo Gründung vor Bier kommt
Titelbildquelle=must-munich.com
Viel Kapital unter Bayerns Führung, enge Zusammenarbeit mit Großunternehmen und Hochschulen: Münchens Startup-Region folgt auf Berlin
Nach den Startups in Deutschlands Hauptstadt Berlin geht es diesmal um das Startup-Ökosystem in München, der zentralen Stadt Bayerns.
Bevor Deutschland unter einem einzigen Namen als “Deutschland” bekannt wurde, war es eine Sammlung regional geprägter Stadtstaaten. Auch nach der Vereinigung ist Deutschland eine Bundesrepublik aus 16 Ländern, die jeweils eigene Verfassungen, Regierungen und Gerichte haben. Bund und Länder üben jeweils unabhängige Befugnisse aus; Polizei, Schulen, Hochschulen, Kultur und kommunale Verwaltung liegen in der Zuständigkeit der Länder. Dadurch unterscheiden sich politische, Bildungs- und Verwaltungssysteme je nach Region, und regionale Identitäten haben sich sehr deutlich und eigenständig entwickelt.
Bayern ist das größte Bundesland Deutschlands. Mit 70.550 Quadratkilometern umfasst es etwa 20 Prozent der gesamten Fläche Deutschlands. Auch wirtschaftlich ist Bayern außergewöhnlich: Würde man Bayern als eigenen Staat betrachten, läge es nach Wirtschaftsleistung etwa auf Rang 17 weltweit und damit deutlich vor Nachbarländern wie Tschechien, Österreich und der Schweiz. BMW, Audi, Siemens, Allianz und Adidas haben ihren Hauptsitz in Bayern, was dem Land zusätzliches Gewicht verleiht.
Die Hauptstadt Bayerns ist München. München ist dynamisch, international und wirtschaftlich wohlhabend, wodurch die Stadt große Vorteile bei der Kapitalbeschaffung hat. Neben Startup-Acceleratoren und Inkubationsprogrammen gibt es solide Venture-Capital-Strukturen und aktive Investorengruppen. Deshalb gilt München nach Berlin als die attraktivste Stadt Deutschlands für Startup-Gründungen. Die renommierte Technische Universität München (TUM) ermutigt Studierende zur Gründung, bietet vielfältige Programme und unterstützt Netzwerke mit globalen Unternehmen in Bayern.

Der Munich Summit, veranstaltet vom Munich Innovation Ecosystem, stellt Münchner Startups der Welt vor. Foto=must-munich.com
Im Jahr 2020 gab es in Bayern 546 Startups, von denen 63 Prozent mit ihrem Standort zufrieden waren. Ein besonderes Merkmal der Startups im Raum München ist die aktive Zusammenarbeit mit Bildungs- und Forschungseinrichtungen. In München befinden sich weltweit anerkannte Forschungseinrichtungen wie die Fraunhofer-Institute für angewandte Wissenschaften und die Max-Planck-Gesellschaft, aus der zahlreiche Nobelpreisträger hervorgegangen sind. 20 Prozent der Startups arbeiten mit solchen lokalen Forschungseinrichtungen zusammen. Deshalb gibt es viele technologieorientierte Startups in Luft- und Raumfahrt, künstlicher Intelligenz, Biotechnologie, Healthcare und Mobilität. Auffällig ist außerdem, dass der Anteil von Green Startups, die umweltbezogene Produkte und Dienstleistungen anbieten, mit rund 20 Prozent vergleichsweise hoch ist.
Münchens Startup-Community
In München gibt es wichtige Communities, die das Startup-Ökosystem prägen. Ein repräsentatives Beispiel ist das Munich Innovation Ecosystem der MUC Summit GmbH.
Das Munich Innovation Ecosystem entstand 2015 als Zusammenschluss von Unternehmen TUM GmbH, Strascheg Center for Entrepreneurship gGmbH und German Entrepreneurship, das das Entrepreneurship Center der Ludwig-Maximilians-Universität München betreibt. Schon die Zusammensetzung zeigt, wie aktiv hochschulgetriebene Gründungen sind. Zwar lässt sich das grob als “universitäres Gründerzentrum” übersetzen, doch die einzelnen Institutionen unterscheiden sich stark.
Unternehmen TUM wurde 2002 von der Unternehmerin und BMW-Erbin Susanne Klatten gegründet, um Gründerinnen und Gründer aus der Technischen Universität München zu unterstützen. Es ist ein privater Accelerator und Venture-Capital-Akteur. Statt eines öffentlichen Zentrums einer Hochschule ist es genauer, Unternehmen TUM als private Startup-Accelerating-Organisation zu verstehen, die von einer Unternehmerin in Verbindung mit einer Universität gegründet wurde. Das Unternehmen fördert stark neue Technologien, die gesellschaftliche Probleme wie Klimawandel, Energiewende und Ressourcenknappheit adressieren, und ist mit mehr als 300 Mitarbeitenden selbst ein großes Unternehmen. Zu den Startups aus Unternehmen TUM gehören Blickfeld, das Scanning-LiDAR-Systeme und Sensortechnologie entwickelt; FlixMobility, Anbieter smarter und nachhaltiger Mobilitätsdienste; sowie Isar Aerospace im Bereich Raketen und Raumfahrt.

Blickfeld entwickelt Scanning-LiDAR-Systeme. Foto=blickfeld
Unternehmen TUM betreibt außerdem eine Women Startup Initiative, die Gründerinnen gezielt unterstützt, weil der Frauenanteil in technologieorientierten Startups niedrig ist.
Das Gründerzentrum der Hochschule München wird Strascheg Center for Entrepreneurship genannt. Es wurde mit Mitteln der Stiftung von Dr. Falk F. Strascheg gegründet, der eines der führenden europäischen Unternehmen für Lasersysteme aufgebaut hat, ist aber eine Einrichtung der Hochschule. Charakteristisch ist die enge Verbindung zu den Bildungsprogrammen der Hochschule München. Das Zentrum bietet Arbeitsräume, physische Infrastruktur und Bildungsprogramme über Netzwerke mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Aus diesem Umfeld stammen unter anderem SUB Capitals, ein KI-basiertes Investment-Fintech; Electric Flytrain, ein Startup für elektrische Flugzeuge; und Cents & Homes, eine auf Machine Learning basierende Plattform für Immobilieninvestitionen.
German Entrepreneurship entwickelte das Programm des Münchner universitären Entrepreneurship Centers. Außerdem ist es ein Accelerator-Programmbuilder, der Unternehmensprogramme wie den German Accelerator des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, Volkswagens Startup-Accelerator VW Data: Lab und das Siemens AI Lab betreibt oder unterstützt.

Volkswagen Data Lab unterstützt Startups bei KI-basierten Anwendungen. Foto=volkswagen
Seit der Gründung 2008 hat German Entrepreneurship mehr als 730 Startups unterstützt und mit über 80 Partnern und Kunden mehr als 500 Projekte umgesetzt. Auf dieser Basis konnte die Organisation deutschlandweit insgesamt sechs Acceleratoren, Inkubatoren und Startup-Zentren aufbauen. Sie arbeitet nicht nur mit großen Unternehmen wie Daimler, Munich Re, Siemens, Allianz und BMW zusammen, sondern auch mit wichtigen öffentlichen Einrichtungen wie der EU, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie mit Universitäten wie der TU Berlin, der TU Darmstadt und der RWTH Aachen. Bekannte Startups wie N26, Foodora und Flixbus haben German Entrepreneurship durchlaufen.
Das Munich Innovation Ecosystem verbindet diese einzelnen Accelerator-Organisationen miteinander. Einmal im Jahr veranstaltet es den Munich Summit, an dem mehr als 120 Startups aus über 20 Ländern teilnehmen und der Münchner Startups international vorstellt. Durch regelmäßige Treffen und enge Zusammenarbeit mit dem Silicon Valley unterstützt es zudem deutsche Startups beim Eintritt in globale Märkte.
Öffentliche Unterstützung für Startups in München
Die Stadt München unterhält mit dem MEB (Das Münchner Existenzgründungs-Büro) eine eigene Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer. Dort erhalten sie Informationen zu Gewerbeanmeldung, Businessplan und Steuerfragen aus einer Hand sowie finanzielle Unterstützung und kostenlose Arbeitsräume. In Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) unterstützt die Stadt außerdem Gründungen in Bayern. Für Startups aus Kultur- und Kreativwirtschaft gibt es ein eigenes Team, das Beratung anbietet und Arbeitsräume wie Ateliers, Proberäume und Studios vermittelt.

Munich Urban Colab, ein gemeinsamer Arbeitsraum für Smart-City-Startups. Foto=Munich Urban Colab
Im vergangenen April hat die Stadt München gemeinsam mit Unternehmen TUM das Munich Urban Colab eröffnet, ein Startup-Zentrum für Smart-City-Lösungen. Die Einrichtung im Münchner Norden umfasst 11.000 Quadratmeter mit Büros, Coworking-Flächen, Seminarräumen, Café und Sportzentrum. Sie wurde als Testbed für Smart-City-Lösungen geschaffen, sodass verschiedene Zukunftslösungen dort vorab erprobt und erlebt werden können.
Eunseo Yi
eunseo.yi@123factory.de
Dieser Artikel wurde aus der Reihe “European Startup Chronicles” von BizHankook redigiert und adaptiert.
