Vom ‘Auto’ zur ‘Mobilität’… vor Ort bei der München IAA Mobility 2021
Titelbildquelle=iaa.de
Die ‘Wandlung’ der Frankfurter Automesse… Elektroautos, Fahrräder und andere künftige Fortbewegungsmittel versammeln sich, mit Startups im Zentrum
„Die Zukunft der europäischen Mobilität liegt bei uns."
Jeden Herbst ist die Veranstaltung, die München symbolisiert, zweifellos das Oktoberfest, das größte Bierfest. Wegen COVID-19 konnte das Oktoberfest jedoch in den letzten zwei Jahren nicht stattfinden, und während der langen Lockdown-Zeit herrschte in der Festivalstadt München eine eher gedämpfte Stimmung. In dieser Woche begann nach langer Zeit ein „Ereignis", das der ganzen Stadt wieder Leben einhauchte und die Aufmerksamkeit der betreffenden Branchen auf sich zog. Vom 7. bis 12. September findet die München IAA Mobility 2021 statt.

Die Allianz Arena, das Stadion des FC Bayern München, ist hell erleuchtet, um die ‘IAA Mobility’ willkommen zu heißen. Foto=iaa.de
Die IAA (Internationale Automobil-Ausstellung) ist eine Veranstaltung, die uns lange als „Frankfurter Automesse" bekannt war. Als weltweit größte Automesse begann sie 1897 und kann auf eine lange Geschichte und Tradition zurückblicken. Bisher fand in geraden Jahren eine Nutzfahrzeugmesse für Lastwagen und dergleichen in Hannover statt, in ungeraden Jahren eine Pkw-Messe in Frankfurt.
2015 besuchten etwa 930.000 Menschen die IAA. Genau in dieser Zeit erschütterte der Volkswagen-Dieselskandal die Welt. Während das Vertrauen in die Autoindustrie zusammenbrach und sich die öffentliche Meinung zur Klimakrise ausbreitete, kamen offen grundlegende Zweifel und kritische Blicke auf die Automobilindustrie auf. 2017 besuchten 810.000 Menschen die Frankfurter Automesse, 2019 waren es 560.000. Während die Besucherzahlen rapide zurückgingen, stieg die Zahl der Umweltschutz-Demonstranten rapide an, und auch die Frankfurter Automesse brauchte eine Veränderung.
Vom Auto zur Mobilität: Der Wandel der IAA
Egal wie alt eine Tradition ist – ohne Innovation verschwindet sie letztlich in den Annalen der Geschichte. Der Verband der Automobilindustrie (VDA), der die IAA veranstaltet, kam zu dem Schluss, dass die Frankfurter Automesse Innovation brauchte, und suchte nach einer anderen Stadt, die die Veranstaltung zu einem echten „Ereignis" machen könnte. Nach einem Wettbewerb mit Berlin und Hamburg wurde München schließlich als Austragungsort der IAA ausgewählt.

„Was bewegt uns jetzt." Bei der IAA Mobility kann man nicht nur Autos sehen, sondern alle Mittel für die künftige Fortbewegung. Foto=iaa.de
Vor der ersten Veranstaltung in München 2021 führten die Regierung und die Industrie lange Diskussionen darüber, wie die Veranstaltung erfolgreich durchgeführt werden könnte. Ob sie wegen Corona überhaupt stattfinden konnte, war ungewiss, doch das zeigte nur, welch wichtigen Stellenwert die Automobilindustrie in Deutschland einnimmt.
Im vergangenen Mai, als sich die Corona-Lage allmählich besserte, wurde entschieden, die Ausstellung unter Einhaltung der Hygieneregeln in einem hybriden Format durchzuführen, das online und offline gleichzeitig genossen werden konnte – zusammen mit einem neuen Namen, IAA Mobility. Das Ziel war, das Image einer auf „Verbrennungsmotor-Autos" ausgerichteten Ausstellung und auf Neuwagen-Präsentationen bekannter Automobilhersteller abzulegen und schon beim Namen der Veranstaltung eine Veränderung anzustreben, um klar die Richtung einer Ausstellung für künftige Mobilität einzuschlagen. Unter dem Motto „What will move us next" richtete die Ausstellung überall in der Stadt München Abschnitte ein, in denen man fortschrittliche Verkehrssysteme erleben konnte, sodass normale Bürgerinnen und Bürger verschiedene Formen künftiger Mobilität erfahren konnten.

Während der IAA Mobility kann man Münchens wichtigste Sehenswürdigkeiten mit Elektroautos, Sharing-Autos, E-Bikes, fahrerlosen Autos und mehr besichtigen. Foto=iaa.de
Wie das Wort „Mobilität" andeutet, war ein auffälliges Merkmal die große Zahl an Ständen für anderes als Autos. Besonders fielen Stände rund um Mobilitätsdienste wie Bike-Sharing-Plattformen, Carsharing und Auto-Abos auf. Ganze 75 fahrradbezogene Unternehmen nahmen an der Ausstellung teil, und es gab sogar zwei separate kleine Hallen für Fahrräder. Es war ein ungewöhnliches Bild, das man auf herkömmlichen Automessen nicht sah. Abgesehen von den Autos, die einige Zulieferer zur Veranschaulichung aufgestellt hatten, waren Verbrennungsmotor-Autos kaum zu finden – so sehr, dass man es durchaus eine E-Auto-Ausstellung nennen konnte.
Das war auch nur natürlich: Im vergangenen Juli kündigte die Europäische Union eine Politik an, die den Verkauf neuer Verbrennungsmotor-Autos mit Benzin, Diesel und Ähnlichem bis 2035 faktisch verbietet. Das Unternehmensberatungsunternehmen McKinsey gab bekannt, dass Elektroautos 2030 etwa 75 % des europäischen Marktes ausmachen werden. Das entspricht etwa 70 Millionen Fahrzeugen. In Europa werden Elektroautos zum gängigsten Auto. Mit dem Abgang der Verbrennungsmotor-Autos rücken verschiedene alternative Fortbewegungsmittel ins Rampenlicht, und es vollzieht sich der Wandel vom Zeitalter des „Autos" zum Zeitalter der „Mobilität".

Ein Testbereich für neue Fahrradmodelle, eingerichtet im Außenbereich des IAA-Mobility-Geländes. Foto=iaa.de
Daher erhielten fahrradbezogene Unternehmen das volle Rampenlicht der großen deutschen Medien. Besonders im Trend liegen Lasten-E-Bikes. Das Berliner Startup Sblocs präsentierte bei der IAA Mobility ein Lasten-E-Bike. Beim Tragen und Transportieren von Lasten zeigt es die Qualität eines Kleinwagens, ist aber weitaus günstiger. Auch die niederländische Plattform für geteilte Lastenräder Dockr nahm an der IAA Mobility teil und kündigte ihren Markteintritt in Deutschland an.
Startups, die die künftige Mobilität anführen, versammeln sich
Es sind Startups, die sich als die heißen Akteure der IAA Mobility hervorgetan haben. Die IAA Mobility prognostizierte, dass Startups eine wichtige Rolle in der künftigen Mobilitätsbranche spielen werden. Die Sichtweise, dass Startups – die innovative, aus etablierten Branchen kaum hervorzubringende Ideen einbringen, umsetzen und verwirklichen – der Kern der Mobilitätsbranche sind, wurde schon im Prozess der Gestaltung der Messe berücksichtigt.
Statt wie ein bloßer Lückenfüller in einem auf bekannte Großkonzerne und globale Automobilunternehmen ausgerichteten Gelände zu wirken, wurde an der wichtigsten Stelle jedes Geländes eine Startup Area platziert. So wurde es gestaltet, dass die Besucher die Geschäfte der zukunftsweisenden Startups ganz natürlich kennenlernen konnten. Es ist ein großangelegtes Vorhaben, bei dem 76 Startups aus aller Welt auf einer Fläche von drei Hallen mit insgesamt 1.500 m² teilnehmen.

Verschiedene mobilitätsbezogene Startups, die an der IAA teilnehmen. Auch das koreanische Startup Nota sticht hervor. Foto=Digital Hub Mobility
Hier nahmen Startups mit Lösungen in den Bereichen autonomes Fahren, Fahrerassistenzsysteme, Lidar, Kamerasysteme, KI, alternative Mobilität jenseits des Autos, Sound-/Audiosysteme, E-Bikes und Lastenräder, Ladeinfrastruktur für E-Autos, Batterietechnik und Automobilmaterialien sowie Smart-City-Lösungen teil. Unter den koreanischen Startups nahm Seoul Robotics gemeinsam mit dem US-amerikanischen Lidar-Marktführer Velodyne teil, und Nota, das On-Device-KI-Lösungen anbietet, zeigte mit einem eigenen Stand Präsenz.
Auch die Veranstaltungen für Startups sind vielfältig. Am Abend des 7. September findet das Startup-Pitching-Programm „#NextLevel IAA MOBILITY Startup Challenge 2021" statt, veranstaltet von dem globalen Beratungsunternehmen PwC. Startups hatten sich seit August für diese Veranstaltung beworben. Sie erhalten professionelles Coaching von PwC und nehmen an einer Inkubation teil, um ihre eigenen Ideen und Geschäftsmodelle auszubauen. Ganz natürlich vernetzen sie sich mit wichtigen Branchenakteuren der Mobilitätsbranche und erhalten die Gelegenheit, ihre Lösungen auf den Markt zu bringen.
Die von PwC vorgestellten Startup-Themen, die in der künftigen Mobilität im Rampenlicht stehen dürften, sind Nachhaltigkeit/Klimawandel, künftige Kraftstoffe, Smart City/urbane Mobilität, Mobilitätssicherheit, autonomes Fahren, E-Sport/Gaming, Mobility as a Service (MaaS), Industrielösungen, Konnektivität (connectivity), ländliche Mobilität (rural mobility), Cybersicherheit, Elektrifizierung (electrification), KI, letzte Meile, Design und Post-Corona-Mobilität. Diese können nicht nur als die wichtigsten Themen der künftigen Mobilitätsbranche gesehen werden, sondern auch als die Themen mit der größten Nachfrage in bestehenden Branchen. Es bedeutet zugleich, dass Startups, die fokussierte Lösungen zu diesen Themen anbieten, durchaus die globale Bühne wagen können.

Die Ausschreibungsthemen von PwCs ‘Next Level Startup Challenge.’ Man kann erkennen, welches die wichtigen Themen der künftigen Mobilität sind. Foto=PwC.de
Auch Bits & Pretzels, die Startup-Konferenz, die Ende September auf dem Münchner Oktoberfest stattfand, wanderte ganz natürlich zur IAA Mobility, als das Oktoberfest abgesagt wurde. Am 9. September findet die von Bits & Pretzels veranstaltete „Founders Day"-Veranstaltung statt – ein exklusives Event, bei dem man neben der Bildung von Startup-Netzwerken innerhalb von Bits & Pretzels auch Tisch-Meetings mit Investoren, VCs (Venture Capital) und Angel-Investoren abhalten kann. Außerdem unterstützt Dassault Systèmes, das als Fortune-50-Unternehmen ausgewählte französische 3D-Softwareunternehmen, Startups, indem es eine Meeting-Lounge nur für sie einrichtet. Nächste Woche planen wir, die europäischen Startups, die an der IAA-Mobility-Ausstellung teilgenommen haben, persönlich zu treffen, ihre innovativen Ideen vorzustellen und die Zukunft des Mobilitätssektors zu prognostizieren.
Eunseo Yi
eunseo.yi@123factory.de
Dieser Artikel ist eine bearbeitete und adaptierte Fassung von [European Startup Chronicles] aus <Bizhankook>.
