Ein verlässlicher Partner für den Markteintritt koreanischer Startups in Deutschland
Titelbildquelle=nrw.invest.com
Ein Interview mit Soyeon Kim, Repräsentantin von NRW.Global Business Korea
Mit 18 Millionen Einwohnern und einem Anteil von 20 Prozent am deutschen BIP weist Nordrhein-Westfalen (NRW) die höchste Wirtschaftsleistung aller Bundesländer auf und ist damit auch für Startups ein äußerst interessanter Standort. Hier ist NRW.Global Business ansässig, eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes, die koreanische Unternehmen gezielt unterstützt.
NRW.Global Business wirbt Unternehmen aus aller Welt für eine Ansiedlung in NRW an und unterstützt gleichzeitig heimische Firmen bei der internationalen Expansion. Die Gesellschaft unterhält Außenstellen in rund 10 Ländern, darunter Japan, die USA und China. Die Repräsentanz in Korea wurde bereits 1988 gegründet und hat seither zahlreichen Unternehmen beim Schritt nach Deutschland geholfen. Wir haben Soyeon Kim getroffen, die seit 2011 das Büro von NRW.Global Business in Korea leitet und somit seit über einem Jahrzehnt die Brücke zwischen koreanischen und deutschen Unternehmen schlägt, um über die Förderpolitik des Landes für Startups zu sprechen.

Soyeon Kim, Repräsentantin von NRW.Global Business in Korea, unterstützt koreanische Firmen beim Markteintritt in Deutschland. Foto=Zur Verfügung gestellt von Chiho Jung
Startups anwerben, fördern und wachsen lassen: Kern der Wirtschaftspolitik in NRW
Jedes der 16 deutschen Bundesländer verfügt über eine eigene Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Unter ihnen ist NRW.Global Business die einzige Gesellschaft, die eine eigene Repräsentanz in Korea unterhält. Dies zeigt, wie international aktiv das Bundesland ist und wie eng die Beziehungen zu Korea sind.
NRW.Global Business ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Landes, die vom Wirtschaftsministerium finanziert wird. Der offizielle Name des Ministeriums lautet “Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen”. Wie der Name andeutet, vollzieht sich in NRWs Wirtschaftspolitik ein Wandel von traditionellen Industrien wie Stahl, Kohle, Chemie und Maschinenbau hin zu digitaler Innovation. Dass die Homepage des Ministeriums intensiv über Startups und Förderprogramme berichtet, verdeutlicht diese Ausrichtung.
Soyeon Kim erklärte: “Man kann ohne Übertreibung sagen, dass das Wirtschaftsministerium in NRW alles daran setzt, Startups zu fördern und vielfältige Unterstützung anzubieten. Dementsprechend bietet die Repräsentanz von NRW.Global Business in Korea einen One-Stop-Service für koreanische Startups, die sich in NRW ansiedeln wollen. Wir unterstützen sie nicht nur finanziell, sondern vernetzen sie auch mit den Industrie- und Handelskammern, etablierten regionalen Unternehmen und verschiedenen Industrie-Clustern, um ein starkes R&D-Fundament aufzubauen.” Die Repräsentanz versteht sich als wichtiger Wegbegleiter für Startups bei ihren ersten Schritten im Ausland.
“Früher war diese Region industriell so dominant, dass 40 Prozent des gesamten deutschen Industriestroms in NRW verbraucht wurden. Dementsprechend aktiv treibt das Land nun im Zuge der vierten industriellen Revolution die Umstrukturierung seiner Wirtschaft voran,” so Kim. In diesem Wandel spielen innovationsorientierte Startups eine entscheidende Rolle. Für etablierte Industrieunternehmen und innovative Startups fungiert NRW als eine Art Schmelztiegel.
Mit anderen Worten: Wenn traditionelle Industrieunternehmen innovativ sein wollen, aber nicht wissen, wie, bieten Startups hervorragende Lösungen. Kim berichtete: “Ich erinnere mich an eine Kooperation zwischen einem deutschen Spieledienstleister und einem traditionellen Produktionsunternehmen. Das Startup entwickelte ein ‘Bonuspunktespiel’ zur Steigerung der Produktivität der Arbeitskräfte, wovon beide Seiten profitierten.”
Einzigartige Förderprogramme: NRW meint es ernst mit Startups
NRW ist das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands und steht für 20 Prozent der gesamten deutschen Kaufkraft – eine Dimension, die der Kaufkraft des Nachbarlandes Niederlande entspricht. Dies reizt B2C-Startups. Es ist aber auch ein idealer Markt für B2B-Startups: Laut Daten des Wirtschaftsministeriums wurden 2020 in NRW Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 697 Milliarden Euro erzeugt, der Spitzenwert in Deutschland. Dank der starken Präsenz von Großkonzernen und Mittelständlern bietet NRW einen riesigen Absatzmarkt für B2B-Startups.
Bedeutende internationale Messen wie die Gamescom (eine der weltgrößten Spielemessen in Köln), die Anuga (die weltgrößte Fachmesse für Lebensmittel in Köln) und die Medica (die weltgrößte Medizinmesse in Düsseldorf) finden alle in NRW statt. Die Region pulsiert vor wirtschaftlicher Dynamik. Soyeon Kim betonte: “Die Dichte an verschiedenen Industriezweigen eröffnet Startups unzählige Geschäftsmöglichkeiten.”

Die Gamescom in NRW, eine der drei größten Spielemessen weltweit. Foto=gamescom.com
Die Dichte an Bildungs- und Forschungseinrichtungen ist ein weiterer Pluspunkt. NRW hat die meisten Hochschulen und die höchste Zahl an Studienabsolventen in Deutschland. Renommierte Forschungseinrichtungen wie die Fraunhofer- und Max-Planck-Institute sind hier angesiedelt. Startups haben hervorragende Chancen, sich an R&D-Projekten mit Universitäten und Instituten zu beteiligen. Kim erklärte: “Da die Forschung stark besetzt ist, kann staatliche Hilfe bei der Kommerzialisierung und Markteinführung von Startup-Ideen die gesamte Wirtschaft modernisieren. Deshalb engagiert sich das Land NRW so intensiv bei der Startup-Förderung.”
Ein Blick auf die Förderprogramme für Startups in NRW zeigt das Ausmaß dieser Unterstützung. Das Gründerstipendium.NRW bietet Gründern mit guten Geschäftsideen bis zu einem Jahr lang monatlich 1.000 Euro Unterstützung. Gefördert werden Teams von bis zu drei Personen, deren Gründung nicht länger als ein Jahr zurückliegt, sowie angehende Gründer. Während des Stipendiums erhalten sie neben Geld auch rechtliche und administrative Beratung sowie Coaching. Zudem helfen 75 Startercenter.NRW bei den praktischen Schritten der Gründung. 75 solche Zentren in einem einzigen Bundesland sind ein beeindruckendes Angebot.
Das Programm “Exzellenz Start-up Center” wurde initiiert, um Ausgründungen aus Hochschulen in NRW zu fördern. Mit einem Budget von insgesamt 150 Millionen Euro für Hochschulteams mit innovativen Ideen sucht das Programm seinesgleichen. Die RWTH Aachen, die Ruhr-Universität Bochum, die TU Dortmund, die Universität Paderborn, die Universität Münster und die Universität zu Köln wurden als Partner ausgewählt. Sie erhalten über fünf Jahre hinweg gestaffelte Gelder, um Forschungsergebnisse in Geschäftsmodelle zu übersetzen.

Gründer-Camp, eine Netzwerkveranstaltung im Rahmen des Gründerstipendiums. Foto=gruenderstipendium.com
Soyeon Kim stellte ein weiteres aktuelles Förderprojekt der Landesregierung vor: das mit 2,2 Millionen Euro ausgestattete Programm EnableUS. Es unterstützt Gründungen aus Hochschulen und Instituten im Bereich Soziales und Medien. In diesem Jahr machte die Universität Siegen den Anfang. Ziel ist es, das hochschulnahe Startup-Ökosystem zu stärken, indem die Gründungsunterstützung auf Geistes- und Sozialwissenschaften ausgeweitet wird, nachdem der Fokus zuvor vor allem auf Naturwissenschaften und Ökonomie lag.
“Siegen ist eine kleinere Stadt, die in Korea kaum bekannt ist. Sie beherbergt jedoch eine Universität mit einer langen technologischen Tradition seit den 1870er Jahren und hat etliche Hidden Champions hervorgebracht, sodass sie in der Industrie wie ein ‘kleiner Riese’ wirkt. NRW hat viele solcher kleinen, aber starken Städte, wie Paderborn oder Gütersloh. Mit anderen Worten: Hier liegen viele Chancen für koreanische Firmen, die noch unentdeckt sind.”
Mit Industriepartnern, Talenten und einer hervorragenden Infrastruktur bietet NRW Startups ein attraktives Umfeld. Das Land verfolgt gezielte Strategien, um sich im Vergleich zu reinen Startup-Metropolen wie Berlin zu profilieren. Kim erklärte selbstbewusst: “Startups beginnen mit guten Ideen, aber die Kunst liegt darin, daraus ein tragfähiges Geschäft aufzubauen. Natürlich müssen sie den passenden Nährboden finden, auf dem Projekte rentabel werden. Das ist einer der Gründe, warum wir koreanischen Startups NRW ans Herz legen.”
Durch ihre langjährige Tätigkeit in der Wirtschaft verfügt Soyeon Kim über hervorragende Kontakte und Netzwerke in Korea und Deutschland. Da sie die Wirtschaft, Kultur und Kommunikationsweise beider Länder versteht, fungiert sie als verlässliche Brücke und Stütze für viele Unternehmen.
“Wenn ein Startup Interesse an NRW hat, unterstützen wir es mit ganzer Kraft. Wir helfen den Firmen, die Wirtschaftspolitik im großen Ganzen zu verstehen, unterstützen sie bei Förderanträgen und vermitteln Kontakte. Da wir sowohl den koreanischen Firmen als auch den deutschen Partnern mit Aufrichtigkeit begegnen, spüren wir, dass dies Früchte trägt. Als wir etwa einer koreanischen Firma beim Einzug in die Games Factory in Mülheim halfen, ging der Manager der Games Factory den Förderantrag detailliert durch und leistete praktische Hilfe, sodass die Firma die Zusage erhielt. Wenn wir die Ärmel hochkrempeln, können wir viel bewegen.” Kim antwortete bis zum Ende des Interviews mit großem Enthusiasmus.
Während NRWs vielfältige Startup-Förderprogramme attraktiv sind, stellt die detaillierte Beratung durch die Repräsentanz von NRW.Global Business in Korea eine äußerst wertvolle Hilfe dar. Wir hoffen, dass diese Information viele koreanische Startups erreicht, die den Schritt nach Europa wagen wollen.
Eunseo Yi eunseo.yi@123factory.de
Dieser Artikel wurde aus der Reihe “European Startup Chronicles” von BizHankook redigiert und adaptiert.
