Heiße Startups aus Nordrhein-Westfalen, die ‘Toniebox’ hervorgebracht haben
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Von Kinderhörbüchern über vegane Lebensmittel, Biotechnologie und Logistik bis hin zu Smart-Grid-Plattformen
Nordrhein-Westfalen (NRW) liegt im Westen Deutschlands, ist die bevölkerungsreichste Region des Landes und grenzt an Belgien und die Niederlande, was die Expansion in andere Teile Europas erleichtert. Damit bietet das Land optimale Standortbedingungen für die Entwicklung unterschiedlichster Branchen. Bis in die 1970er Jahre nahm es dank des Booms im Bergbau und in der Stahlindustrie eine wichtige Stellung in der deutschen und europäischen Wirtschaft ein; seitdem hält es seine starke Wirtschaftskraft auf der Basis von ‘Hidden Champions’ aus Hochtechnologie und Dienstleistungen aufrecht. Heute stellen wir die aufstrebenden Startups Nordrhein-Westfalens vor.
‘Toniebox’, ein smarter Hörspiel-Player für Kinder
Die Toniebox ist ein Hörspiel-Player, der in deutschen Haushalten mit Kindern häufig anzutreffen ist. Ein Set besteht aus einer kleinen Spielfigur, auf der eine Geschichte gespeichert ist, und einem würfelförmigen Lautsprecher. Sobald die Figur auf den Lautsprecher gestellt wird, startet das Hörspiel oder die Musik. Durch den Kauf neuer Figuren können Geschichten oder Lieder gewechselt werden, zudem lassen sich neue Inhalte per App herunterladen. Nach dem Aufladen kann die Box etwa sieben Stunden lang kabellos genutzt werden, was sie ideal für den Einsatz im Freien macht.

Toniebox-Gründer Patric und Marcus. Foto=tonies.com
Das Startup hinter der Toniebox ist die Boxine GmbH, die 2016 in Düsseldorf gegründet wurde. Die beiden Gründer Patric Faßbender und Stahl sind Väter. Sie arbeiteten als Angestellte in einer Werbeagentur beziehungsweise einem Elektronikunternehmen, als sie bei der Erziehung ihrer eigenen Kinder den Bedarf an einem smarten Hörspiel-Player erkannten und das Unternehmen gründeten.
Die Toniebox stieß sofort nach dem Verkaufsstart auf riesige Resonanz und verkaufte sich anfangs 30.000 Mal. Nach der Auszeichnung mit dem German Design Award im Jahr 2017 stieg der Bekanntheitsgrad weiter, sodass der Umsatz bis 2020 die Marke von 100 Millionen Euro überschritt. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits über 2 Millionen Tonieboxen und 20 Millionen Tonie-Figuren verkauft. Zunächst wurden die Boxen mit rein deutschsprachigen Inhalten in Deutschland, Österreich und der Schweiz angeboten. Mit der Einführung englischsprachiger Inhalte expandierte das Unternehmen erfolgreich in Länder wie Großbritannien, die USA und Irland. In jüngster Zeit gewinnt die Toniebox auch bei koreanischen Eltern an Beliebtheit, die Wert auf englische Sprachbildung legen.
Biotech-Startup ‘Numaferm’
Numaferm ist eines der erfolgreichsten Startups in Düsseldorf. Das Biotech-Startup wurde 2017 als Spin-off des Instituts für Biochemie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gegründet.

Forschungsteam von Numaferm. Foto=numaferm.com
Numaferm ist in der Lage, aus Aminosäuren gewonnene Peptide zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten – etwa ein Zehntel des Marktpreises – herzustellen. Peptide, als die “kleinsten Funktionseinheiten von Proteinen”, können in den verschiedensten Bereichen eingesetzt werden, wodurch die Substanz selbst einer Plattformtechnologie gleicht. Besonders hervorzuheben ist, dass Numaferm über eine innovative Technologie verfügt, die die Produktionszeit bei der Verwendung von Peptiden als pharmazeutische Wirkstoffe (APIs) auf 6 bis 9 Monate verkürzt. Obwohl das Unternehmen klein ist, verfügt es dank eines Teams aus über 15 promovierten Forschern über eine starke technologische Basis. Die Technologie von Numaferm findet Anwendung bei Impfungen, Allergietherapien, Diagnostik, Onkologie, Diabetes, Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Einsatzmöglichkeiten in Landwirtschaft, Aquakultur, Kosmetik und Lebensmitteln sind nahezu unbegrenzt.
Veganer Eishersteller ‘Nomoo’
Nomoo ist ein Startup, das veganes Eis herstellt. Die Studierenden Rebecca Göckel und Jan Grabow beschlossen das Unternehmen zu gründen, nachdem sie die Netflix-Dokumentation “Cowspiracy” gesehen hatten. Die Dokumentation beleuchtet die ökologischen Schattenseiten der Nutztierhaltung, insbesondere der Massentierhaltung und des Fleischkonsums. Die beiden Gründer wollten den Konsum tierischer Produkte hinterfragen und durch die Entwicklung leckerer veganer Lebensmittel einen Beitrag zur Zukunft der Gesellschaft leisten.

Limitierter Rosé-Basilikum-Sekt und Kirscheis von Nomoo. Foto=nomoo.de
Alles begann 2016 mit der Anmietung einer kleinen Küche in Köln, um auf der Basis von Früchten, Kräutern und Kokosmilch verschiedene Eis-Prototypen ohne Zusatzstoffe herzustellen. Als sie vom Geschmack überzeugt waren, eröffneten sie zunächst ein Café, um direktes Kundenfeedback zu sammeln. Im Jahr 2018 starteten sie die industrielle Produktion und bauten eine Logistik- und Vertriebsstruktur auf. 2019 begannen sie mit der Belieferung der Bio-Supermarktkette Alnatura und des Großhändlers Metro. Heute ist das Eis von Nomoo in über 1.500 Supermärkten in ganz Deutschland erhältlich. In diesem Jahr expandiert das Unternehmen weiter nach Österreich und in die Schweiz.
Intelligente Smart-Grid-Plattform ‘Envelio’
Envelio wurde 2017 als Spin-off des Instituts für Hochspannungstechnik der renommierten RWTH Aachen gegründet. Durch die Integration von Informations- und Kommunikationstechnologie in die Prozesse der Stromerzeugung, des Transports und des Verbrauchs über ihre intelligente Smart-Grid-Plattform bauen sie intelligente Stromnetzsysteme auf, stellen Softwareplattformen für Energie- und Stromnetzbetreiber bereit und treiben die Energiewende voran.

Software der intelligenten Smart-Grid-Plattform Envelio. Foto=envelio.com
Die fünf Gründer taten sich zusammen, als sie gemeinsam an einer wissenschaftlichen Arbeit über “intelligente Stromverteilungsnetze” schrieben. Auf der Grundlage der in der Arbeit erforschten Algorithmen beschlossen sie, praxisrelevante Software zu entwickeln, und zogen von Aachen nach Köln, um das Unternehmen aufzubauen. Heute ist es ein internationales Startup mit rund 70 Mitarbeitenden aus 19 Ländern. Zu den derzeit 35 Kunden in Europa und Südamerika gehören auch große Energiekonzerne wie Vattenfall.
Analysetool für körperliche Arbeit ‘MotionMiners’
Auch MotionMiners begann mit einer wissenschaftlichen Arbeit. Im Jahr 2017 veröffentlichte Sascha Feldhorst, der am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund arbeitete, eine Arbeit mit dem Titel “Automatische Aktivitäts- und Kontexterkennung zur Analyse von Kommissionierprozessen”. Inspiriert wurde die Arbeit von Fitness-Tracking-Apps beim Laufen. Dies führte zur Entwicklung eines Analysetools für den Praxiseinsatz und markierte den Start von MotionMiners. Im Jahr 2019 gliederte sich das Unternehmen vollständig aus dem Fraunhofer-Institut aus.

MotionMiners misst und analysiert die körperlichen Bewegungen von Arbeitskräften. Foto=motionminers.com
Mit dem MotionMining-Tool hilft das Startup Logistikunternehmen dabei, Prozesse zu optimieren und die Bewegungen der Arbeitskräfte ergonomisch zu analysieren, um effiziente Systeme aufzubauen. Die Technologie wird auch im Gesundheitswesen eingesetzt: Das Tool hilft Pflegenden dabei, Betten auf optimalen Wegen zwischen Zimmern und OP- oder Behandlungsräumen zu bewegen, und optimiert Arbeitsabläufe bei der Vorbereitung und Reinigung im OP. Nach erfolgreichen Projekten mit der Deutschen Bahn und dem Logistikkonzern DHL wurde MotionMiners 2020 als bestes Digital-Startup in NRW ausgezeichnet.
Eunseo Yi eunseo.yi@123factory.de
Dieser Artikel wurde aus der Reihe “European Startup Chronicles” von BizHankook redigiert und adaptiert.
