Gründung eines Solo-Startups mit Fokus auf Digitalisierung nach dem Studium der Sinologie… Eine Reihe von Experteninterviews als primäres Geschäftsmodell
Titelbild-Quelle = China Impulse-Homepage
Deutschland und China haben 1972 diplomatische Beziehungen aufgenommen. Seitdem haben sich ihre Beziehungen in verschiedenen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekten entwickelt. Insbesondere im Jahr 2020 wurde China mit einem Handelsvolumen von über 212 Milliarden Euro zum wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Auch China sieht in Deutschland einen wichtigen europäischen Partner. Trotz dieser engen Beziehungen wird China in Deutschland aus verschiedenen Blickwinkeln bewertet. In der deutschen Gesellschaft, die sehr sensibel auf politische und soziale Themen reagiert, gibt es kritische Ansichten gegenüber China aufgrund der Verfolgung von Minderheiten wie den Uiguren in Xinjiang und des Vorgehens gegen die Demokratiebewegung in Hongkong, was zu Bewegungen führt, China in Schranken zu weisen.

Deutschland und China betrachten sich gegenseitig als wichtige Partner und haben die Kooperation seit 2011 verstärkt. Die alle zwei Jahre stattfindenden „Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen“ fanden im vergangenen April zum sechsten Mal statt. Foto: Deutsche Bundesregierung
In dieser komplexen und facettenreichen Beziehung habe ich eine Frau getroffen, die Deutschland und China verbindet. Es ist Alexandra Stefanov, die China Impulse leitet.
China, Digitales und Innovation als zentrale Geschäfts-Keywords
Ich habe Alexandra Stefanov über die professionelle Netzwerkplattform LinkedIn kennengelernt. Da ich daran interessiert war, Südkorea und Deutschland zu verbinden, habe ich soziale Medien genutzt, um Nachrichten über Deutschland und Europa auf Koreanisch sowie Nachrichten über Korea und Asien auf Deutsch zu teilen. Dadurch tauchten in meinem Feed natürlich Personen auf, die mit ähnlichen Tags aktiv waren, und so lernte ich Alexandra kennen, die China und Deutschland verbindet, genau wie ich. Überrascht und erfreut über unsere Gemeinsamkeiten trafen wir uns sofort über Zoom. Ich war in Berlin, Alexandra in Frankfurt.
Alexandra studierte Sinologie und Transkulturelle Studien in Heidelberg, Tianjin und Shanghai. Seit 2009 besucht sie China regelmäßig und engagiert sich in verschiedenen Bereichen. Was Alexandra dabei auffiel, war: „China ist Deutschland in Bezug auf digitale Trends um mindestens fünf Jahre voraus.“ Daher bemühte sie sich, ihre Karriere auf die Themen „China, Digitales und Innovation“ zu konzentrieren. Nach ihrem Universitätsabschluss begann sie ihr Berufsleben mit der Entwicklung einer Chinesisch-Lern-App bei Zizzle. Sie sammelte Erfahrungen bei Sinojobs, einem Unternehmen, das ein Jobportal für China und Europa betreibt, und arbeitet seit 2020 als Projektleiterin bei der „Digitalisierungsinitiative der deutschen Wirtschaft“, während sie gleichzeitig ihre eigene Marke „China Impulse“ gründete.

Alexandra Stefanov, CEO von China Impulse. Foto: china-impulse.de
Bereitstellung und Verbindung von Experten-Insights und Networking
China Impulse öffnete seine Türen im Mai 2020 in Frankfurt als „Solo-Startup“. Die über zehnjährige Erfahrung des Studiums von China und des Beobachtens und Dokumentierens der digitalen Transformation des Landes spiegelt sich in „China Impulse“ wider. China Impulse hilft vielen Menschen und Unternehmen in Deutschland, China besser zu verstehen. Vor allem ist es eine Plattform, die deutschen Unternehmen eine Brücke bietet, um sich von der Geschwindigkeit der digitalen Entwicklung in China inspirieren zu lassen und Know-how zu transferieren.
Der Hauptinhalt ist eine Interviewreihe mit dem Titel „China Impulse—Experts’ Insight into China’s Complex Digital World (China Impulse – Der Experten-Einblick in Chinas komplexe Digitalwelt)“. Das primäre Geschäftsmodell besteht darin, Experten für die Beziehungen zwischen Deutschland und China zu Interviews einzuladen und diese den Abonnenten zur Verfügung zu stellen. Da die Interviews sowohl im Video- als auch im Audioformat bereitgestellt werden, können die Abonnenten sie auf die für sie bequemste Weise konsumieren.

Experten, die an der Experten-Interviewreihe 2021 von China Impulse teilgenommen haben. Foto: china-impulse.de
China hat 940 Millionen Internetnutzer, und bei den Patentanmeldungen übertraf das Land 2019 die USA und belegte weltweit den ersten Platz. Auf dem chinesischen Markt erfolgreich zu sein, bedeutet globalen Erfolg, und Wachstum auf dem chinesischen Markt ist gleichbedeutend mit Wachstum auf dem Weltmarkt geworden. Daher ist das sekundäre Geschäftsmodell von China Impulse die Bereitstellung von Inhalten über chinesische Innovationen für Deutschland, der Aufbau von Netzwerken mit China-Experten zur Erstellung dieser Inhalte und deren Rückkopplung an deutsche Unternehmen.
Die Reihe „Expert Insight“ startete im Mai 2020 und führte allein in diesem Jahr Interviews mit insgesamt 24 Experten. Im Jahr 2021 wurden bislang 21 Experteninterviews durchgeführt. Zu den Experten gehören nicht nur Sinologen, sondern auch Fachleute aus den Bereichen Digitalisierung, Management, Beratung, PR und Marketing, Journalismus sowie verschiedene Startup-Gründer. Repräsentative Beispiele sind Huyuan Zhang-Dircks, Geschäftsführerin von HanseSinoContact & Consulting (HSC), einem deutsch-chinesischen Wirtschaftsmedien- und Beratungsunternehmen, und Frank Sieren, ein Bestsellerautor und Journalist, der als China-Korrespondent für große deutsche Medien wie die Süddeutsche Zeitung und das Handelsblatt tätig war.
Wie schafft sie das alles – dieses vielfältige Networking zu betreiben, es in Interviews und Texte zu übersetzen und später in ein anderes Geschäft einfließen zu lassen – ganz allein als Einpersonenunternehmen?
Alexandra erklärte: „Als Gründerin ist man 24 Stunden am Tag in diesem Geschäft engagiert. Als Angestellte wäre das schwierig gewesen. Doch der Gedanke, dass ‚dies eine Arbeit ist, um meine eigene Marke aufzubauen‘, schafft Nachhaltigkeit. Networking schafft kontinuierlich Geschäftsmöglichkeiten. Deshalb sind ein tiefes Verständnis für das Gegenüber und eine enge Partnerschaft der Kern meines Geschäfts.“
Als wichtiges Beispiel hat China Impulse eine Partnerschaft mit ZEEVAN, eine chinesische E-Commerce-Agentur. ZEEVAN bietet europäischen KMUs einen One-Stop-Service für den erfolgreichen Einstieg in den chinesischen Online-Markt, vom digitalen Markenmarketing bis hin zum Einstieg in Online-Plattformen und Zahlungsabwicklungen. China Impulse stellt für deutsche KMUs den Kontakt zu ZEEVAN her.
Roopu Cloud ist ebenfalls ein wichtiger Partner von China Impulse. Eines der Dinge, die man für die Erschließung des chinesischen Marktes und die Digitalisierung des gesamten Prozesses benötigt, sind Cloud-Dienste. Cloud-Dienste bieten eine Plattform, die darauf ausgelegt ist, in kurzer Zeit und zu optimierten Kosten Plattformen auszuwählen und auf verschiedene Vorschriften zu reagieren. Roopu Cloud ist Partner globaler Konzerne wie AWS China und Azure China und bietet für den chinesischen Markt optimierte Dienste an. China Impulse spielt eine Rolle dabei, deutsche Unternehmen insbesondere mit Roopu Cloud zu verbinden.
Seit der Gründung des Unternehmens im Mai letzten Jahres verschickt sie fast täglich Newsletter an ihre E-Mail-Abonnenten, und mit der Planung der Experten-Interviewreihe haben sich die Geschäftsmöglichkeiten stetig vervielfacht. Da die Nachfrage nach Audio- und Videoinhalten durch COVID-19 sprunghaft anstieg, wuchs auch die Resonanz auf diese Reihe. Alexandra erlebt derzeit eine sehr arbeitsintensive Zeit, in der kaum eine freie Minute bleibt.
Vor Kurzem trat sie als Business-Mentorin für „Bridge to China“ bei, einem kombinierten Workshop-, Mentoring- und Pitching-Programm der Humboldt Tech Bridge, das deutschen technologie- und wissenschaftsbasierten Startups helfen soll, China besser zu verstehen. Durch die Treffen mit verschiedenen Unternehmern ist sie in eine Phase eingetreten, in der sie sich um praktische Ergebnisse bemühen muss. Während Alexandra darüber nachdenkt, „wie sie China Impulse zu einer noch bedeutenderen Marke ausbauen kann“, wie wird sich ihre Herausforderung in Zukunft entwickeln? Es war eine Begegnung, die mir vor Augen führte, dass die Verbindung zweier Länder tatsächlich selbst zu einem Startup werden kann.
Eunseo Yi
eunseo.yi@123factory.de
Dieser Artikel wurde aus der Serie „European Startup Chronicles“ in BizHankook editiert und angepasst.
